In deutschen Krankenhäusern wächst der Anteil internationaler Pflegefachkräfte stetig – als Reaktion
auf den Fachkräftemangel, mit Hoffnung auf neue Perspektiven und Vielfalt im Team. Sprache ist
dabei weit mehr als ein Mittel zur Verständigung: Sie ist zentral für Sicherheit, Qualität, Teamkultur
und Integration. Für Krankenhausmitarbeitende bedeutet das: Sprachliche Kompetenz sowie
Strukturen zur Sprachförderung sind keine Nebensache, sondern essenziell.
Im Folgenden wird beleuchtet, warum Sprache so wichtig ist, wo genau Fallstricke liegen, welche
Erfahrungen und Beispiele es gibt, und wie Krankenhäuser konkret handeln können, um
Sprachbarrieren zu überwinden.
Warum Sprache so zentral ist
Patientensicherheit und Qualität der Versorgung
Missverständnisse in der Kommunikation können medizinische Fehler verursachen – etwa durch
falsche Dosierungsanweisungen, unklare Pflegeübergaben oder fehlerhafte Dokumentation.
Auch das Einhalten Hygiene-, Sicherheits- und Verfahrensanweisungen hängt davon ab, dass alle
Beteiligten die Sprache verstehen und verwenden können.
Arbeitsabläufe & Effizienz
Wenn internationale Kolleg:innen unsicher sind, verzögert das Aufgaben, besonders in Schichten, bei
Übergaben oder in Notfällen.
Verständliche Routinen und klare Sprachstandards helfen, Reibungsverluste zu reduzieren.
Teamarbeit & interkulturelles Verständnis
Kolleg:innen, die Deutsch als Zweitsprache sprechen, bringen andere kulturelle
Kommunikationsformen mit – was bereichernd sein kann, aber auch Reibung erzeugt, wenn nicht
reflektiert wird.
Respektvoller Umgang damit ist entscheidend, umpfänglich auf Missverständnisse einzugehen und
Geduld zu haben ist ebenso Teil guter Teamkultur.
Integration & Mitarbeiterzufriedenheit
Sprache ist auch ein Schlüssel zur Teilhabe – nicht nur am Patientenversorgungssprozess, sondern an
sozialen Interaktionen: Pausen, Gespräche mit Kolleg:innen, Möglichkeiten zur Weiterqualifikation.
Wenn jemand das Gefühl hat, ständig sprachlich „hinten nachzuhinken“, kann das zu Frustration,
Isolation oder gar Abwanderung führen – das heißt: Personalbindung hängt stark mit gelungenen
Sprachangeboten zusammen.
Rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen
Für die Anerkennung ausländischer Pflegequalifikationen ist oft ein bestimmtes Deutschniveau
vorgeschrieben (z. B. B2 im gemeinsamen europäischen Referenzrahmen).
Sprachprüfungen, fachsprachliche Anforderungen, Dokumentationspflichten – all das macht nicht
nur Alltagssprache, sondern auch Fachsprache nötig.
Fragen Sie sich nur einmal selbst:
Wie oft spricht eine Pflegefachkraft während eines einzigen Dienstes?
Wer sind dabei die verschiedenen Kommunikationspartner?
Welche Anlässe verlangen Kommunikation im Dienst?
Was wird mündlich, was wird schriftlich realisiert? Was sind die Konsequenzen, wenn all diese
Kommunikationssituationen im Dienst ausbleiben oder misslingen?¹
“Neben dem sprachlichen Ankommen am Arbeitsplatz ist ein weiteres Ziel natürlich, sich auch
gesellschaftlich in Deutschland zu integrieren. In beiden Fällen ist Sprache ein entscheidender
Faktor.”²
Herausforderungen und typische Fallstricke
Damit Sprache positiv wirkt, müssen einige Hürden aktiv adressiert werden. Hier sind typische
Stolpersteine:
Formelles Sprachniveau vs. tatsächliche kommunikative Kompetenz
Jemand hat ein B2-Zertifikat, fühlt sich aber sprachlich überfordert, z. B. bei akuten Patientenanfragen oder in Notfällen. Oder jemand reist erst nach langer Wartezeit in Deutschland ein. Während sich das B2 Sprachniveau wieder verschlechtert hat.
Fachspezifische Sprache und deutsche Besonderheiten
Medizinische Begriffe, Pflegestandards, Dokumentationsstil, juristische Formulierungen,
Abkürzungen etc. International ausgebildete Pflegekräfte kennen diese oft nicht oder anders und
brauchen gezielte Einführung.
Dialekt / Umgangssprache / Schnellsprechende Kolleg:innen
Rutschbahnen entstehen, wenn im Team viel Dialekt oder stark akzentuiertes Deutsch gesprochen
wird, was für Nicht-Muttersprachler schwer zu verstehen sein kann.
Schriftliche Kommunikation
Pflegeberichte, Übergabeprotokolle, ärztliche Anordnungen – da gelten hohe Anforderungen an
Klarheit, Vollständigkeit und fachsprachliche Präzision.
Emotionale Belastung
Sprachliche Unsicherheit erzeugt Stress, weil Kolleg:innen Angst haben, Fehler zu machen,
missverstanden zu werden oder sogar haftungsrechtlich in die Verantwortung genommen zu
werden.
Zeitlicher Druck
In hektischen Schichten bleibt oft wenig Zeit, um sprachliche Unsicherheiten zu klären oder
nachzufragen.
Was Krankenhäuser tun können – Handlungsempfehlungen
Für Krankenhausleitung, Pflegedienstleitungen und alle, die in Teams mit internationalen Fachkräften
arbeiten, bieten sich folgende Strategien:
Sprachförderung strukturell verankern
Regelmäßige fachsprachliche Fortbildungen oder Module, die gezielt Pflege-Deutsch unter realen
Bedingungen trainieren.
Onboarding & Mentoring
Einführung in die Sprache des Hauses: z. B. ein Termin, bei dem Abläufe, wichtige Begriffe, Standards
(z. B. Hygiene, Dokumentation) gemeinsam durchgegangen werden.
Ein Mentor oder eine Mentorin aus dem Team, der/die bei sprachlichen Fragen unterstützt und auch
kulturelle Besonderheiten erklärt.
Kommunikation im Alltag fördern
Klarere, einfachere Sprache in Übergaben oder Besprechungen, möglichst verständlich – ggf.
langsamer sprechen, offene Fragen stellen („Was haben Sie verstanden?“).
Schriftliche Anweisungen so gestalten, dass Fachbegriffe erklärt werden (Glossar etc.).
Team sensibilisieren und interkulturelles Training
Schulungen, in denen das Team lernt, wie man mit Sprachvielfalt umgehen kann: Was hilft, was kann
frustrieren?
Bewusstsein schaffen dafür, dass nicht jeder gleich schnell nach deutschem Standard kommunizieren
kann – und das nicht gleich Kompetenzmangel ist.
Rechtliche & bürokratische Rahmenbedingungen unterstützen
Förderung von Sprachkursen, die auf Pflegeberufe zugeschnitten sind.
Klarheit darüber, was erwartet wird zur Anerkennung, zu Sprachprüfungen etc., damit internationale
Kolleg:innen wissen, worauf sie sich einstellen können.
Feedback & Evaluation
Regelmäßige Befragungen der internationalen Mitarbeitenden: Wo sind Sprachbarrieren? Wo
bräuchten sie mehr Unterstützung?
Rückmeldungen aus dem Team, um konkret sichtbar zu machen, wo im Alltag
Kommunikationsprobleme entstehen und wie sie gelöst werden können.
Aktueller Stand und Perspektiven
Der Anteil internationaler Pflegekräfte liegt inzwischen bei knapp 18 % der 1,7 Millionen
Beschäftigten in Pflegeberufen. Das heißt: Fast jede fünfte Pflegefachkraft kommt aus dem Ausland.³
Es besteht eine zunehmende staatliche wie zivilgesellschaftliche Aufmerksamkeit für faire
Rekrutierung und nachhaltige Integration – inklusive verbindlicher Standards, z. B. durch
Förderprogramme, Gütezeichen, Initiativen wie „Faire Anwerbung Pflege Deutschland“.⁴
Gleichzeitig gibt es kritische Stimmen, z. B. dass in manchen Fällen die Sprachförderung oder
fachsprachliche Weiterbildung nicht ausreichend zugeschnitten sind – oder die reale
Arbeitsbelastung und der Zeitdruck zu hoch sind, um Sprachdefizite systematisch aufzuarbeiten. Die
folgenden Fragen möchten helfen, die Situation in Ihrem Haus zu reflektieren und zu hinterfragen.
Fragen an Ihr Krankenhaus:
Wie hoch schätzen Sie aktuell die sprachliche Sicherheit Ihrer internationalen Kolleg:innen in
kritischen Situationen (z. B. Notfall, Übergabe, Dokumentation)?
Gibt es in Ihrer Einrichtung bereits spezielle Angebote für Fachsprachkurs oder Mentoring, und wie
sind diese evaluiert worden?
Wie offen ist das Team gegenüber sprachlicher Vielfalt – wird etwa deutlich gemacht, dass Fehler
und Nachfragen erwünscht und Teil des Lernprozesses sind?
Welche „kleinen“ Veränderungen ließen sich kurzfristig umsetzen – z. B. Glossare, langsameres
Sprechen bei Besprechungen, Fotos oder Visualisierung wichtiger Abläufe?
Wie sieht die Kosten-Nutzen-Rechnung aus – welche Ressourcen (Zeit, Personal, Geld, Training)
investieren Sie aktuell in Sprachförderung, und welchen Effekt haben diese Maßnahmen auf Qualität,
Mitarbeiterbindung etc.?
Fazit
Sprache ist ein zentraler Schlüsselfaktor für Sicherheit, Qualität, Teamkultur und Integration – und sie
ist besonders relevant, damit internationalen Pflegefachkräften der Einstieg bzw. das Arbeiten in
deutschen Krankenhäusern gelingt. Es reicht nicht, Sprachtests zu fordern, sondern es braucht
systematische, nachhaltige Förderung, Strukturen und ein Umfeld, das Verständnis und
Unterstützung bietet.
Wenn Krankenhäuser Sprache als Entwicklungsaufgabe begreifen – also nicht nur als
„Voraussetzung“, sondern als fortlaufenden Prozess –, profitieren alle: die Patient:innen, das
gesamte Team und die internationalen Fachkräfte, die Deutschland ausbildet und in die
Krankenhäuser holt.
Quellen:
“Internationale Pflegefachkräfte ein Praxisleitfaden für Gesundheitseinrichtungen”, 1. Ausgabe,
medhochzwei Online-Bibliothek
“Konzept für einen Spezialkurs „Gesundheitsfachberufe“. ”, Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge, Scheffler/Snippe 2021, S. 23
“Mehr als 300.000 ausländische Pflegekräfte” vom 29.04.2025, Mediendienst Integration, Zahlen
und Fakten, https://mediendienst-integration.de/artikel/mehr-als-300000-auslaendischepflegekraefte
“Zentrum für die Integration von Migranten” vom 10. Juli 2025, European Comission, Migration
und Inneres, https://home-affairs.ec.europa.eu/policies/migration-and-asylum/migrantintegration/migrant-integration-hub_en